Nachhaltige Flugtreibstoffe (SAF)
Einer der Schlüssel zur Reduktion der CO2-Emissionen des Luftverkehrs liegt in der Nutzung von nachhaltigen Flugtreibstoffen, sogenannten Sustainable Aviation Fuels (SAF). Im Vergleich zu herkömmlichem fossilem Kerosin reduziert heutiges SAF die CO2-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus um mindestens 80 Prozent.
Bedeutung von SAF
Heutige Flugzeuge haben eine Lebensdauer von mehr als 25 Jahren und bleiben auf flüssige Treibstoffe angewiesen. Selbst wenn sich angekündigte Elektro-, Hybrid- und Wasserstoffflugzeug-Projekte wie geplant realisieren, wird sich ein Flotten-Rollover weit über 2050 hinausziehen. Da diese Technologien gemäss heutigem Wissensstand lediglich für Kurz- und Mittelstrecken eine Lösung darstellen, sind Langstreckenflüge auf absehbare Zeit nur mit Kerosin-Antrieb vorstellbar. Rund 80% der CO2-Emissionen des Luftverkehrs entstehen auf Flugstrecken von mehr als 1’500 Kilometern.
Der schrittweise Wechsel von fossilem Kerosin zu SAF wird perspektivisch die Treibhausgasemissionen des Luftverkehrs signifikant reduzieren. Noch sind nachhaltige Flugtreibstoffe erst in geringen Mengen verfügbar und die Preise deutlich höher als für herkömmliches Kerosin. SWISS setzt sich deshalb mit gezielten Massnahmen und Kooperationen dafür ein, die Entwicklung und Verfügbarkeit von SAF gemeinsam mit der Lufthansa Group, ihren Partnern und Kund:innen voranzutreiben.
Was ist SAF?
Die zur Herstellung von SAF eingesetzten Rohstoffe stehen nicht in Konflikt mit Nahrungs- oder Futtermitteln und unterliegen strengen Nachhaltigkeitskriterien, die in der EU-Richtlinie für erneuerbare Energien (RED II) und der RefuelEU-Verordnung für den Luftverkehr festgelegt sind und von unabhängigen Prüfern überprüft werden. Das in den Angeboten der Lufthansa Group an Kunden eingesetzte SAF wird zusätzlich zu der in der EU vorgeschriebenen SAF-Quote von 2% erworben, deren Kosten bereits über einen Umweltkostenzuschlag im Ticketpreis berücksichtigt sind, und innerhalb von sechs Monaten nach dem jeweiligen Flug in den Flugbetrieb der Lufthansa Group integriert. Teile des von der Lufthansa Group verwendeten förderfähigen SAF wurden durch das EU-Emissionshandelssystem kofinanziert.
Es existieren verschiedene Produktionsverfahren und es stehen verschiedene Ausgangsmaterialien als Energieträger zur Verfügung (z.B. das Biomass-to-Liquid-Verfahren, das HEFA-Verfahren, das Power-to-Liquid-Verfahren oder das Sun-to-Liquid-Verfahren). Die verschiedenen Verfahren zielen alle darauf ab, Kohlenstoff aus vorhandener, nachhaltiger Biomasse oder Gasen wiederzuverwenden und in Treibstoff umzuwandeln.
SAF macht derzeit weniger als 1% des weltweit verbrauchten Flugtreibstoffs aus und kostet etwa drei- bis fünfmal so viel wie fossiler Treibstoff. Die Lufthansa Group beteiligt sich an zahlreichen Projekten, damit SAF so schnell wie möglich in grösseren Mengen verfügbar wird.
Biomass-to-Liquid
Die aktuelle Generation von SAF wird hauptsächlich aus biogenen Reststoffen, etwa gebrauchten Speiseölen oder Fetten, hergestellt. Bei der Verbrennung von SAF wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie zuvor an anderer Stelle beispielsweise durch Pflanzen aus der Atmosphäre entzogen wurde. Lediglich der Transport und die Produktion von SAF erzeugen aktuell noch CO2-Emissionen. Im Vergleich zu fossilen Treibstoffen reduziert heutiges SAF so die CO2-Emissionen um mindestens 80%. Die zur Herstellung von SAF eingesetzten Rohstoffe stehen nicht im Konflikt mit Nahrungs- oder Futtermitteln und unterliegen strengen Nachhaltigkeitskriterien, die in der EU-Richtlinie für erneuerbare Energien (RED II) und der RefuelEU-Verordnung für den Luftverkehr festgelegt sind und von unabhängigen Auditoren geprüft werden.
Power-to-Liquid und Sun-to-Liquid
Künftig wird es möglich sein, mittels Power-to-Liquid und Sun-to-Liquid Verfahren SAF herzustellen. Da die für den Prozess benötigte Energie (Strom oder Wärme) aus erneuerbaren Quellen erzeugt und der notwendige Kohlenstoff aus der Atmosphäre entnommen wird, kann ein quasi geschlossener CO2-Kreislauf erreicht werden, womit praktisch vollständig CO2-neutrale Treibstoffe hergestellt werden können.
SAF bei SWISS
Rein chemisch gesehen ist SAF vergleichbar mit herkömmlichem Kerosin, nur dass es nicht auf fossilen Rohstoffen basiert. SAF ist ein sogenannter Drop-in-Fuel, der als Beigemisch zu fossilem Treibstoff als fertig zertifiziertes Jet A-1 Kerosin über die etablierten Treibstoffversorgungswege in die Flugzeuge gelangt. So kann es in bestehenden Flugzeugen/Triebwerken sowie mit der etablierten Betankungsinfrastruktur genutzt werden. Weiter entsteht bei der Verbrennung von SAF weniger Feinstaub, was zu einer geringeren Wolkenbildung und damit zu einer Reduktion der Non-CO2-Effekte und der Klimawirkung insgesamt führt.
Partnerschaft mit Synhelion
Aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit von Biotreibstoffen treibt SWISS die Entwicklung von Solartreibstoff voran und ist seit Anfang 2022 strategischer Partner von Synhelion, dem Pionier auf dem Gebiet nachhaltiger Solartreibstoffe. Ziel der Zusammenarbeit ist es, die Markteinführung dieser zukunftsweisenden Technologie zu beschleunigen, erste Pilotprojekte in Europa zu realisieren und die globale Produktionskapazität zu skalieren. Im Juni 2024 eröffnete Synhelion die weltweit erste Demonstrationsanlage zur Produktion von Solartreibstoff. SWISS hat im Sommer 2025 als weltweit erste Fluggesellschaft eine symbolische Lieferung von Sun-to-Liquid Treibstoff von Synhelion erhalten und diesen im regulären Flugbetrieb eingesetzt.
Partnerschaft mit Metafuels
Ein weiteres Engagement für nachhaltige Flugtreibstoffe ist die Partnerschaft mit dem Schweizer SAF-Technologie-Unternehmen Metafuels. Metafuels hat ein Verfahren entwickelt, das grünes Methanol effizient in nachhaltigen Flugtreibstoff umwandelt. Die Technologie erlaubt einen flexiblen Einsatz unterschiedlicher Rohstoffe, sowohl Bio-Methanol als auch E-Methanol, und ist grundsätzlich gut skalierbar. Das produzierte synthetische SAF kann in der bestehenden Infrastruktur in heutigen Flugzeugflotten eingesetzt werden. Die Vereinbarung mit Metafuels stärkt sowohl die kommerzielle Weiterentwicklung ihrer Technologie als auch das langjährige Engagement von SWISS für innovative Schweizer Lösungen für eine emissionsärmere Luftfahrt.
Mit diesen Partnerschaften unterstützt SWISS zudem gezielt den Innovations- und Forschungsstandort Schweiz.